Pfarrkirche Sankt Laurentius – Obritzberg

Die Pfarrkirche Obritzberg ist ein wunderbares und gut dokumentiertes Beispiel, wie aus einer Burgkapelle bzw. Burg ein Gotteshaus entstand.

König Arnulf von Kärnten beauftragte im Jahre 888 Heimo, den Sohn des Grafen Witigowo, in der heutigen Ortschaft Grünz eine Zufluchtsstätte für seine Untertanen zu errichten. Geographisch bot sich dazu der heutige Kirchberg an.

Noch im 9. Jahrhundert wurde eine erste Burg errichtet, in der es auch eine Burgkapelle gab, die eine Filiale der Mutterpfarre Mautern an der Donau war.

909 wurde die Burg durch die nach Westen vordringenden Ungarn zerstört, aber noch im selben Jahrhundert wieder aufgebaut.

Im 12. Jahrhundert waren die Babenberger Besitzer der Burg und im Jahre 1148 wurde Obritzberg zur eigenständigen Pfarre. Ein Jahrhundert später wurde ein Wehrturm über dem romanischen Karner errichtet.

Das Jahr 1489 brachte umfangreiche Umbauten mit sich. Aus der ursprünglichen Burg entstand über Jahre ein Gotteshaus im gotischen Stil. Die Burgkapelle wurde zum Chorraum, die Burg selbst zum Kirchenschiff und der Wehrturm zum Kirchturm.

1526 wurde noch eine Ringmauer um die Kirchenanlage errichtet, die sich bei der ersten Türkenbelagerung 1529 bewährte.

Von 1570 bis 1593 wurde die Kirche von protestantischen Predigern betreut.

Der zweite Türkeneinfall im Jahre 1683 muss fürchterlich gewesen sein. Die gesamte Kirchen-, Burg- und Pfarrhofanlage wurde zerstört und die Chronik berichtet, dass am 3. August 1683 alle Dörfer der Umgebung in Flammen standen und es zu vielen Opfern kam.

Als wäre das nicht schon schlimm genug gewesen, kam nach dem Abzug der Türken auch noch die Pest. Trotzdem schaffte es die Bevölkerung im 18. Jahrhundert, die Kirche wieder im barocken Stil aufzubauen.

Im Jahre 1945, schon gegen Ende des zweiten Weltkrieges, verlagerte sich die Frontlinie mehrmals über den Kirchberg. Im Zuge der Kampfhandlungen wurde der Kirchturm gesprengt und die restliche Kirchenanlage durch Brandbomben schwer beschädigt.

Doch es war ja nicht das erste Mal, dass die Einwohner von Obritzberg einen Wiederaufbau organisieren mussten. So begannen bereits am 2. Juli 1945 die Aufräumarbeiten.

Bis 1950 war das Langhaus wieder verwendbar und 1960 wurde der heutige Kirchturm fertiggestellt. Die feierliche Wiedereinweihung fand am 23. Oktober 1962 statt.

Die barocke Inneneinrichtung stammt zum größten Teil noch aus dem 18. Jahrhundert.

Heute findet man gleich vor der Kirche eine Mauer, die aus den Resten des 1945 gesprengten Kirchturmes errichtet wurde.

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