Ehemaliges Stift Millstatt – Ein Meisterwerk der Romanik

Der heilige Domitian

Millstatt-Bild1In der Zeit um die Wende zum 9. Jahrhundert wird vom Erzbistum Salzburg aus aktiv die Missionierung des Kärntner Raumes vorangetrieben. Verantwortlich soll laut der „Domitians-Vita“ von 1170 ein slawischer Fürstensohn gewesen sein, der zu dieser Zeit getauft wurde und den Namen Domitian erhielt.

Domitian soll die tausend Statuen (lat. mille statuae) eines heidnischen Heiligtums zerstört haben und in eine christliche Kirche zu Ehren Allerheiligen, dem zweiten Patrozinium der heutigen Pfarrkirche, umgewandelt haben. Nach seinem Tod wurde Domitian als Heiliger verehrt und seine Überreste ruhen noch heute in Millstatt, in einem Galssarkophag am Altar der Domitianskapelle der Kirche.

Anzumerken ist noch, dass es keinerlei historische Belege für die Existenz des Domitian gibt. Seine ganze Geschichte beruht auf der „Domitians-Vita“, die mehr als 200 Jahre nach seiner Zeit entstand, aber sich immerhin mit den dokumentierten Schilderungen über die Salzburger Missionstätigkeit in Kärnten vereinbaren lässt.

Die Benidiktiner

Millstatt-Bild2Um 1070, die Gründungsurkunde existiert nicht mehr, wurde vom Geschlecht der Aribonen das Benediktinerkloster Millstatt gegründet. Urkundlich belegt ist die Übergabe an den Papst im Jahre 1122. Zu dieser Zeit wurden Kloster und Kirche Opfer einer gewaltigen Brandkatastrophe, welche zum Neubau der noch heute bestehenden romanischen Anlage von Kirche und Kreuzgang führte.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstand das Westwerk der Stiftskirche mit seinem eindrucksvollen romanischen Trichterportal und den beeindruckenden Türmen. Auch ein Skriptorium wurde zu dieser Zeit geschaffen und das Kloster entwickelte sich zum religiösen und kulturellen Zentrum Oberkärntens.

Mitte des 15. Jahrhunderts erfolgte ein wirtschaftlicher und religiöser Niedergang des Klosters und Kaiser Friedrich III., in dessen Besitz die Anlage mittlerweile war, erwirkte beim Papst die Aufhebung. Gleichzeitig ließ er den gesamten Besitz auf den von ihm neugegründeten St. Georgs-Ritterorden übertragen.

Der St. Georgs-Ritterorden

Millstatt-Bild3Am 14. Mai 1469 übernahm der Ritterorden, dessen Hauptaufgabe die Abwehr der Türken war, die Anlagen in Millstatt. Da der Orden sowohl personell, als auch wirtschaftlich nicht besonders stark war, hielt sich auch die Bautätigkeit in Grenzen. Zwischen 1511 und 1519 erfuhr die romanische Basilika eine gotische Umgestaltung und wurde eingewölbt. Außerdem wurden zahlreiche, heute zum Teil wieder sichtbare, Fresken angebracht.

1541 begann der Zerfall des St. Georgs-Ritterorden, dem 1598 die endgültige Auflösung folgte. Alle Besitzungen gingen an den Jesuitenorden über.

Die Jesuiten

Die Jesuiten sorgten im 17. Jahrhundert dafür, dass die Einrichtung dem barocken Kunstgeschmack angepasst wurde. Sie errichteten auch im Jahre 1631 die heutige Annakapelle, um darin die Reliquien des heiligen Domitian aufzubewahren, dessen Verehrung die Jesuiten stark förderten.

Im Jahre 1773 wurde der Jesuitenorden von Papst Klemens XIV. aufgelöst und sein gesamter Besitz in Millstatt ging in staatliche Verwaltung über. Ein schwerer Schlag für das ehemalige Kloster, denn die zuständigen Verwalter schätzten den historischen Wert des Bauwerkes nicht. Im Kreuzgang wurden Werkstätten und Ställe untergebracht, viele Kunstwerke gingen verloren und die restlichen Bestände der Bibliothek verstreuten sich in alle Welt.

Die Neuzeit

Erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte man wieder, wie historisch bedeutend das Kloster für die Region einmal war. Ende des 20. Jahrhunderts erfolgten innen und außen umfangreiche Restaurierungsarbeiten, die der Kirche ihr heutiges Aussehen verliehen.

Das heute im Stift untergebrachte Stiftsmuseum zeigt viele historisch wertvolle Stücke, wie zum Beispiel den „ältesten Kelch Östereichs“, einen liturgischen Becher aus dem 5. Jahrhundert. Wenn ihr in Millstatt seid, schaut auch dort unbedingt einmal rein.

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