Das Fastentuch

Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich.

Evangelium nach Matthäus 27, 51

Dieses Zitat, im Zusammenhang mit dem Kreuzestod Christi, weist auf den vermutlichen Ursprung des heutigen Fastentuches hin, welches meist am Beginn der Fastenzeit, sowohl in katholischen, als auch in evangelischen Kirchen angebracht wird.

Der erwähnte Tempelvorhang trennte das Heilige, den Tempelraum, vom Allerheiligsten, der Bundeslade, womit ihm eine wichtige symbolische Rolle zuteil wurde. Daher kann die Aussage auch anders gedeutet werden: Der Tod Jesu öffnete den Zugang zum Allerheiligsten.

Das Fastentuch kann während der gesamten Fastenzeit, von Aschermittwoch bis Karsamstag, im Altarraum hängen, wobei in einigen Kirchen dies nur in der Karwoche der Fall ist.

Über die Jahrhunderte nahm das Fastentuch verschiedenste Formen an und ab dem Barock wurden oft nur mehr die Altarbilder verhüllt. So findet man auch heute unterschiedlichste Ausprägungen dieses Brauchtums.

Von historischen Fastentüchern wie im Dom zu Gurk, welches aus dem 15. Jahrhundert stammt, über modern und oft von Kindern gestaltete, bis zu einfachen violetten Tüchern die nur das Altarbild verdecken. Wobei die Farbe Violett in der Liturgie das Symbol für Übergang und Verwandlung darstellt.

Der Brauch des Fastentuchs ist auch zum Teil Ursprung der Redewendung „Am Hungertuch nagen“, weil ursprünglich der gesamte Altarraum durch das Tuch verdeckt wurde, konnte die Gemeinde nur hörend an der Messe teilnehmen und musste dadurch auch „mit den Augen fasten“.

Eine Variation des Fastentuches stellen die Flügel bei gotischen und neugotischen Flügelaltären dar. Oft werden diese nicht verhüllt sondern einfach geschlossen und zeigen dann nur die meist schlichte Rückseite.

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