Italienische Kongregation Maria Schnee (Minoritenkirche) – Wien

Im Jahre 1224 berief Herzog Leopold VI. die Minoriten zur Gründung eines Klosters nach Wien und übergab ihnen ein Grundstück, auf dem eine Katharinenkapelle stand. Urkundlich belegt ist die Anwesenheit der Minoriten in Wien durch eine Bulle erst für das Jahr 1234.

Ein großer Stadtbrand am 30. April 1276, ausgelöst durch ein Feuer in einem Ziegelofen vor dem Schottentor, zerstörte große Teile des Konvents. Noch im selben Jahr wurde der Grundstein für eine neue frühgotische Kirche gelegt.

Der Neubau dürfte um 1300 fertig gewesen sein und wurde bis ca. 1400 noch zwei Mal erweitert. Im Zuge der ersten Türkenbelagerung 1529 wurde der Turm schwer beschädigt.

Die Zahl der Minoriten hatte sich damals auf sieben verkleinert und man rief Patres aus Italien zur Hilfe. Doch auch dies konnte nicht verhindern, dass die Kirche von 1569 bis 1620 ein protestantisches Gotteshaus wurde.

Während der zweiten Türkenbelagerung 1683 nutzte man den Turm wie 1529 als Beobachtungsposten, woraufhin der Turm erneut beschossen wurde und den türkischen Kanonenkugeln zum Opfer fiel.

Per kaiserlichem Dekret, vom 3. Juni 1784, übergab Kaiser Joseph II. die Minoritenkirche an die 1625/26 gegründete italienische Kongregation mit dem Auftrag, für die Instandsetzung zu sorgen. Am 16. April 1786 erfolgte die feierliche Einweihung unter dem Namen „Madonna della Neve“ (Maria Schnee).

Während der napoleonischen Kriege diente das Gotteshaus als Lager für Stroh und Gerätschaften. Das Jahr 1809 brachte wieder Krieg in die Stadt, diesmal waren es die französischen Truppen, welche die Kirche räumen ließen und sie als Proviantlager nutzten.

1810 erhielten die italienischen Kongregaten ihre Kirche wieder zurück und die Reparaturen konnten beginnen. Im Jahre 1845 schenkte Kaiser Ferdinand I. der italienischen Kongregation das Mosaik vom letzten Abendmahl. Es handelt sich dabei um eine 20 Tonnen schwere Kopie des berühmten Wandfreskos von Leonardo da Vinci, welches ursprünglich für das Schloss Belvedere angeschafft wurde. Dort war aber kein geeigneter Platz vorhanden.

Zur letzten baulichen Veränderung kam es in den Jahren 1892 bis 1905 anlässlich der Neugestaltung des Minoritenplatzes. Aus finanziellen Gründen konnten die ursprünglichen Pläne nur teilweise umgesetzt werden, wodurch (m.E. glücklicherweise) große Teile der originalen gotischen Bausubstanz erhalten blieben.

Die gotisch wirkende Inneneinrichtung stammt aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts und wurde im Zuge einer Totalrestaurierung geschaffen. Es kommt selten vor, dass man dermaßen schöne gotische Formen an Einrichtungsgegenständen findet, die in der Phase des Klassizismus entstanden sind.

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